Interview mit Jean-Yves Ferri und Didier Conrad

Interview mit Jean-Yves Ferri und Didier Conrad 2019-10-15T12:53:53+01:00

Wie kam es zu der Idee, eine weibliche Figur in den Mittelpunkt zu stellen, noch dazu eine Jugendliche ?

JYF : Ich hatte erst überlegt, den großen Vercingetorix höchstpersönlich aus der Schublade zu ziehen. Aber dann wäre die Diskrepanz zwischen der Story und den historischen Fakten zu groß geworden. Wie hätte ich zum Beispiel erklären können, dass die Dorfbewohner dem größten aller gallischen Häuptlinge nicht zum Sieg verholfen hatten?
Ich kam zu dem Schluss, dass Vercingetorix innerhalb der Asterix-Reihe nichts anderes sein kann, als das, was er immer war, nämlich eine Art mythischer Prolog. Deshalb habe ich mich auf seine Tochter konzentriert – die allerdings frei erfunden ist! So kam plötzlich das Thema Pubertät ins Spiel …
Dieser schwierige Lebensabschnitt war seit Grautvornix (Asterix und die Normannen) nicht mehr thematisiert worden. Ich fand, dass man das Ganze heute aus einer anderen Sicht angehen könnte.

DC : Wir wollten uns stärker auf weibliche Figuren konzentrieren und abgesehen von Zechine in Das Geschenk Cäsars gibt es in der Asterix-Reihe keine Jugendlichen. Nach insgesamt 37 Alben muss man Themen und Figuren finden, die von den Schöpfern der Serie bisher wenig behandelt worden sind. Nur so schafft man Raum für neue Ideen und bringt frischen Wind rein.

Erzählen Sie uns etwas über die historischen Gegebenheiten, die Sie zu diesem Album inspiriert haben.

 JYF : Die Geschichte spielt ein paar Jahre nach der Niederlage von Vercingetorix gegen die Römer in der Schlacht um Alesia. Wir hatten diese Vorstellung von einem geheimen Netzwerk von Arvernern, die Vercingetorix treu geblieben sind.
Natürlich würde dieses Netzwerk alles Mögliche tun, um die Tochter des verstorbenen Häuptlings zu beschützen. Sie und ihren „Wendelring“, eine Ehrenauszeichnung in Form eines Halsreifs, den ihr ihr Vater vererbt hat. Ich versuche immer, historische Elemente einfließen zu lassen. Zum Beispiel die Anspielungen auf die Kontroverse um die Belagerung von Alesia und auf die Taktik der Römer bei Schlachten auf See.
Asterix soll die Leser zwar zum Lachen bringen, aber der Witz funktioniert umso besser, je plausibler die Geschichte ist.

DC : So konnten wir auch neue, starke Figuren einführen, und zwar einige Arverner mit ihrem unverwechselbaren Dialekt !

Sie sind beide genauso alt wie Asterix und seine Freunde. Welche Bedeutung hatte Asterix für Sie als Kind ?

JYF : Stimmt, ich bin genauso alt wie Asterix. Wir sind beide im Jahr 59 nach Christus geboren. Schon deshalb fühle ich mich dieser Comic-Reihe sehr verbunden! (lacht)
Als mir dann die Verantwortung für die neuen Geschichten übertragen wurde, habe ich schnell meinen Helm aufgesetzt und angefangen, in den Truhen von Miraculix nach dem passenden Rezept zu suchen.
Dummerweise war Asterix das Ergebnis der Zusammenarbeit zweier besonderer und einzigartiger Menschen, nämlich Goscinny und Uderzo. Deshalb gab es kein Patentrezept zur Fortsetzung der Reihe … Wir versuchen einfach, bei jedem neuen Album den Geist der Serie zu erhalten, der von dieser ganz eigenen und humorvollen Mischung aus Antike und Moderne lebt.
Wir probieren bei jedem Album etwas Neues aus und lassen uns dabei von aktuellen Themen inspirieren. Zum Glück hält unser Alltag jede Menge positive Gesprächsanlässe bereit!

DC : Ich war acht oder neun, als ich meinen ersten Asterix gelesen habe. Ich fand Comics sowieso toll, aber Asterix war eine echte Offenbarung. Ich kann es immer noch nicht fassen, dass ich das große Glück habe, diese Reihe fortzusetzen, die in der Comicwelt einzigartig ist.